Maestro im Chutteli

Maestro im Chutteli

15. April 2024 – Franziska Richard

Das Bellevue ist schon fast sein Wohnzimmer: Seit bald 25 Jahren überrascht Manfred Schmid jeden Freitag unsere Gäste mit einem wunderschönen Käsebuffet. Wer ist der Mann, der eines der besten Käsegeschäfte schweizweit pflegt und sich den «Buregiel» noch immer etwas bewahrt.

Jeden Freitagabend streift sich Manfed Schmid sein blaues Sennenchuteli über und packt seinen kleinen Lieferwagen mit 50 seiner schönsten und feinsten Käse. Und dann geht’s hinauf ins Bellevue. Wenn wir dann sein nicht überhörbares, lang gezogenes «Grüesech mitenand» hören, wissen wir: Der Käsemeister ist da. Ein Meister, oh ja. Schon eine Stunde vor dem Service ist er präsent, damit seine Käse Zeit zum Atmen haben. Er packt sie sorgfältig aus und platziert sie auf dem Holzbrett.

25 Jahre Bellevue-Käsebuffet - Die einfachen Käse lässt er zu Hause, mit dabei sind hingegen die regionalen Spezialitäten und die exklusiven, auch ausländischen Stücke der kleinen Käsereien – und immer auch etwas Neues. Ob alt oder neu, er kommentiert beim Schneien jeden Käse. Und tut es mit ungebrochener Freude und Hingabe. Seit bald 25 Jahren pflegen wir mit ihm diesen Brauch.

 

Von Neuseeland ins Vallée de Joux – Woher diese Leidenschaft, dieser Drang, immer besser zu werden? Für Manfred Schmid, auf einem Bauernhof in Wimmis aufgewachsen, war bald klar: «Ich will Käser werden.» Auf die Käselehre in Worb folgte die Molkereischule, dann eine betriebswirtschaftliche Ausbildung und die Meisterprüfung, später dann die Ausbildung zum Fromager-Affineur. «Ich merkte bald», sagt Schmid, «dass ich der Verkäufer und Handelsmann bin, weniger der Produzent.» Eine prägende Station in seinem Werdegang war die Molkerei in Davos. «Ich war ich zwei Jahre lang nur im Laden, ich lernte, wie man Käse verkauft – nämlich als Delikatesse.» Die Herstellung von Schafkäse lernte Manfred Schmid in Neuseeland bei einem Schweizer Käser. Wieder zurück, verschlug es ihn ins Vallée de Joux, wo er lernte, Vacherin Mont d’Or zu produzieren. «Extrem viel Handarbeit und ein Megachrampf», kommentiert Schmid diese Zeit. All diese Wanderjahre erklären auch seine kompromisslose Selektion bei seinen Käsen.

 

In Adelboden angekommen – Die Übernahme des Ladens an der Adelbodner Dorfstrasse erfolgte 1999. Was er antraf, war ein Tante-Emma-Laden mit Putzmittel und Pulverkaffee. Nach fünf Jahren kaufte Schmid das Geschäft und baute es zum doppelt so grossen, repräsentativen Geschäft aus. «Das ist mein Lebenswerk, dafür habe ich einen grossen Batzen in die Hand genommen.» Hinter dem Sennen im Chuteli, welches er lustvoll und keineswegs als Verkleidung trägt, verbirgt sich ein risikofreudigerr Geschäftsmann. Als Steinbock im Sternzeichen sei sein Schädel mindestens so hart wie das Lohnermassiv. Aufgeschlossen, gesellig, reisefreudig – das ist Manfred Schmid auch. In Adelboden sei er angekommen. Er möge die hiesige Mentalität der Menschen - natürlich, unkompliziert, urchig und dankbar. Am Ende, weil er ihnen ähnlich ist?

 

Das Bellevue ist über die Jahre sein Wohnzimmer geworden. «Ich kenne mittlerweile so viele Gäste.» Und wenn er Sätze hört wie «wir haben uns die ganze Woche wie kleine Kinder auf das Buffet gefreut» - dann ist das auch nach 20 Jahren noch immer Beethoven in seinen Ohren.