Wo der Golfball schneller fliegt
«Wer zum Mountaingolfen kommt, lässt den Ziehwagen und die weisse Bundfaltenhose am besten zu Hause», findet Golfmountain-Chef und Keeper Röbi Hari

Wo der Golfball schneller fliegt

1. September 2017 – Franziska Richard

Platztausch auf der Engstligenalp. Kaum verlassen die Kühe im September die Alp, sind schon die Golfer «on stage». Der Dame mit Gucci-Brille gefällt das Mountaingolfen auf Europas höchstgelegenem Pop-up-Golfplatz genauso wie dem Bauer aus dem Tal.

Golfmountain-Chef und Greenkeeper Röbi Hari kann aufschnaufen. Denn seit Sonntag steht er wieder (und dies bis 22. Oktober) – Adelbodens temporärer 18-Loch-Golfplatz auf 2000 Höhenmetern. Sechs Leute waren eine Woche lang emsig am Werk, Röbi Hari schon viel länger: Streckenführung planen, mit Landwirten verhandeln, Abschläge und Löcher ausmessen und das Ganze installieren.

Herb, urchig und anspruchsvoll

Nun kann sie wieder kommen, diese andere Spezies Golfer und Golferinnen, die den luxuriösen Golfsport zwischendurch auch etwas herber und urchiger mag. Adelbodens Mountaingolfer lassen sich von unebenen Terrain herausfordern, viel Wind, dünner Luft, weshalb die Bälle viel weiter fliegen, Bächen und herumliegenden Felsbrocken – der Schwierigkeitsgrad ist hoch. Und sie mischen sich auch gerne unter die Einheimischen, die das Mountaingolfen ebenfalls entdeckt haben. «Es ist wie Golfen in den schottischen Highlands», dem eigentlichen Ursprung des Golfens», erklärt der 50-jährige Adelbodner, der seit über 25 Jahren rund um den Erdball Golf spielt und Inhaber des Sportgeschäftes Hari Sport ist. Doch anders als in Schottland erfolgt jeder Abschlag auf einer künstlichen Unterlage; dies zum Schutze der seltenen Pflanzen in der geschützten Auenlandschaft. Jeder Abschlag wird also aufgeteet. Von Beginn an war der Naturschutz involviert und kontrolliert den Platz in jeder Saison.

«Es ist wie Golfen in den schottischen Highlands.»

Röbi Hari

Begonnen hat alles im kleinen Rahmen, inoffiziell: Vor Jahren lud der Weltcup-Verein seine Sponsoren auf die Engstligenalp zum Golfspielen ein. «Man sah, dass das gar nicht so dumm ist», erinnert sich Röbi Hari. 2010 stand der 18-Loch-Platz erstmals. Treibende Kraft war der Adelbodner Golfer Putz Schranz. Er ist sozusagen der Vater des Mountaingolf und leitete den Golfplatz über viele Jahre.

Mikrokosmos

«Wer zum Mountaingolfen kommt, lässt den Ziehwagen und die weisse Bundfaltenhose am besten zu Hause», findet Röbi Hari, «aber wir schreiben nichts vor, das Bild ist deshalb ziemlich bunt». Gut sichtbar wird dies in der Raclette-Hütte, wo hofeigene Produkte auf einem gastronomisch guten Niveau serviert werden. Hier pausiert der Einheimische im Wanderschuh genauso wie die elegante Dame mit Gucci-Brille. Mittlerweile zählt die Enstligenalpbahn, die die Veranstalterin ist, pro Saison 800 bis 1000 Golfspieler, die Zahl wächst jedes Jahr. Mehrheitlich sind es Schweizer, aber auch Europäer und Amerikaner zwischen 15 und 80 Jahren, der Handwerker ist ebenso vertreten wie der Chefarzt, der Vollblutgolfer genauso wie jener, der das Mountaingolfen nur ausprobieren will. Hierzu eignet sich der 1-stündige Schnupperkurs am Mittwochnachmittag. Wer ein (Ball)Sportler ist, lernt es schneller, doch auch Unsportliche schaffen es. «Du spielst nicht gegen einen Gegner, sondern gegen den Platz», weiss Hari. Etwas Kondition ist gleichwohl von Vorteil: Bei einem 4-stündigen Parcours werden 7 bis 8 Kilometer zurückgelegt. Neben Boxen, so heisst es, erfordert keine Sportart Koordination, Konzentration und Kondition in selbem Masse.

Natürlich gibt es Kritiker. Muss das nun auch noch sein? Im Besonderen ruhesuchende Wanderer stellen diese Frage. Wie auch immer man sie beantwortet – das alpine Golfspielen in Adelboden ist umweltverträglich und stellt letztlich einen sinnvollen Brückenschlag zwischen Tourismus und Landwirtschaft dar. Der Tourismus profitiert von der Landwirtschaft – und umgekehrt.

Weitere Informationen www.golfmountain.ch

Raclettehütte

Grosser Beliebtheit erfreut sich die Raclettehütte, die Treffpunkt von Golfern und Wanderern ist und hofeigene Produkte serviert: Raclette, Chäsbrägel, Golfer Plättli, Hobelkäse, Gerstensuppe, Ammitaler Merängge mit Rahm und hausgemachte Fruchtkuchen.

Geöffnet vom 9. September bis 22. Oktober: Sonntag bis Mittwoch von 10 bis 16.30 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 10 bis 21.30 Uhr. Reservationen: Tel. +41 (0)33 673 03 07; kontakt@raclettehuette.ch

Schnupperkurs

Mit dem 1-stündigen Schnupperkurs lässt sich dieses andere Golfspiel erlernen, sowohl für Anfänger als auch geübte Golfer und Golferinnen, die jedoch noch nie auf diesem Pop-up-Golfplatz gespielt haben. Der Schnupperkurs finden jeden Mittwoch von 14 bis 15 Uhr statt. Dabei untersützt Sie der Greenkeeper bei den ersten Abschlagversuchen und gibt Ihnen Tipps und Tricks. Golfschläger und Bälle werden zur Verfügung gestellt.

CHF 20 pro Person (ohne Luftseilbahnfahrt); Anmeldung bis am Vortag: Tel. +41 (0)33 673 03 07; kontakt@golfmountain.ch

Greenfee

Greenfee inkl. Luftseilbahn retour: CHF 85

Greenfee inkl. Luftseilbahn retour von Mo bis Fr für Clubmitglieder aller Schweizer Golfclubs: CHF 60

Greenfee inkl. Luftseilbahn retour + Raclette à discrétion von Mo bis Fr für Clubmitglieder aller Schweizer Golfclubs: CHF 60

Reservationen: +41 (0)33 673 03 07; kontakt@golfmountain.ch

Weitere Angebote